Selbstermächtigungsgesetz -Klaus Rentel

Selbstermächtigungsgesetz

§1 Sein

In erster Linie bist du für dein Leben selbst verantwortlich. Alleine aus deinem Dasein heraus ergibt sich deine unantastbare Würde – und das Recht, sie zu verteidigen, deine eigenen Entscheidungen zu treffen und deine Wahrheit in die Welt zu bringen. So bist du gewollt.

§2 Entscheiden

1) Wo du heute stehst, ist nicht zuletzt eine Funktion deiner früheren Entscheidungen. Wo du morgen stehst, ist ebenfalls eine Funktion deiner Entscheidungen.

2) Unabhängig davon wirken auf uns auch Kräfte, die grösser sind als wir. Selbstermächtigung heisst, den bleibenden Entscheidungsspielraum mehr und mehr zu nutzen und dabei der ureigenen inneren Stimme zu vertrauen.

§3 Innere Stimme

1) Um nach diesen inneren Massstäben zu leben, braucht es die Entwicklung einer zuverlässigen Intuition und das fortwährende Überprüfen von Werten, Haltungen und Überzeugungen.

2) Gemeint ist hier kein Egotrip, sondern selbstverantwortliches, beherztes Handeln, das Mitgefühl und Gemeinwohl möglichst einbezieht.

3) Unterscheide die innere Stimme der Intuition und Liebe von den vielfältigen kreativen Stimmen der Angst. Letztere führen in die Enge, die Stimme des Herzens in die Weite.

§4 Moral und Authentizität

1) Von einer höheren Warte aus gesehen, ist eine Moral weder richtig noch falsch, sondern eine mehr oder weniger stille Einigung über Werte innerhalb einer Gruppe oder Gemeinschaft. Daraus ergeben sich geschriebene und ungeschriebene Regeln. Moral ist wandelbar, sie kann sich besonders in Krisenzeiten, wenn die Angst gross ist, schnell und massiv ändern.

2) Du bist nicht dazu da, um es anderen recht zu machen und sie vor ihren Ängsten zu bewahren, sondern dein Leben zu leben und dich deinen Mitmenschen in deiner vollen Kraft und mit all deinen «Schrullen» zuzumuten.

3) Zu einem selbstbestimmten Leben gehört auch, aus innerer, überprüfter Überzeugung gegen äussere Massstäbe, also Regeln oder eine geltende Moral zu verstossen. So fördert deine Authentizität die Weiterentwicklung kollektiver Denkgewohnheiten und hätte es verdient, als wertvoller Beitrag zum Gemeinwesen geschätzt zu werden.

4) Wird es aber oft nicht. In diesem Fall ist die zu erwartende Missbilligung ein Test, wie ernst du es meinst.

5) «Nein» ist ein vollständiger Satz.

§5 Fairness

Dass eine Gesellschaft Bedingungen stellt, ist nötig. Dass du dir nicht über Gebühr vorschreiben lässt, wie du zu leben hast, auch. Wie du beide Seiten ausgleichst, charakterisiert deinen Lebensstil. Authentisch aus der Reihe zu tanzen ist nicht unbedingt harmonisch, doch unausweichlich, um die Beziehung zwischen dir und der Gesellschaft fair zu gestalten.

§6 Artgerechtes Verhalten

Du bist ein fühlender und denkender Mensch. Sei kein Politiker. Taktiere nicht, spalte dein Denken nicht vom Herzen ab. Sprich und handle einfach und direkt.

§7 Legislative, Exekutive und Judikative in Personalunion

Gib dir dein eigenes Selbstermächtigungsgesetz, führe es aus und schaue, dass es deinem Dasein gerecht wird. Jeden Tag aufs Neue.