Die Welt will keine Hülle, sondern dich -Klaus Rentel

Die Welt will keine Hülle, sondern dich

Wie oft orientieren wir unser Handeln und Sein an äusseren Vorgaben. Wir fragen, was andere von uns halten, wie wir jemanden schonen können, wie wir niemandem auf den Fuss treten. Wir sind nett.

Wir vermeiden den Kontakt, indem wir uns vornehm zurückhalten und dem Gegenüber unsere Wahrheit, unsere Gefühle und Empfindungen vorenthalten. Wir zeigen nicht uns selbst, sondern die gesellschaftsfähige Hülle einer politisch oder sonstwie korrekt erscheinenden Meinung.

Aus lauter Höflichkeit, oft auch Feigheit kommunizieren wir nicht mit einem eigenständigen Menschen, sondern mit einer schutzbedürftigen Gestalt, wie wir sie uns entsprechend unserer Annahmen und Absichten einbilden. Dann wundern wir uns, wenn uns der andere den Vogel zeigt oder es sonstwie schiefgeht.

Schief geht auf Dauer alles, was nicht aufrichtig und echt ist.

In der Arbeit mit dem Schwert erfahre ich immer wieder, wie wohl es tut, seine Energie, Kraft und Präsenz beherzt in die Welt zu stellen, dem Gegenüber zuzumuten. Tue ich das nicht, fühlt sich mein Übepartner nicht für voll genommen oder ist gelangweilt von meiner Halbherzigkeit. Bin ich voll da, entsteht Kontakt und Lebendigkeit.

Ins Leben übersetzt: Äussere deine Wahrheit, bringe das in die Welt, was für dich wesentlich ist. Achtsam, aber ohne es leicht verdaulich machen zu wollen. Ohne bereits mit einem Kompromissvorschlag in eine Verhandlung zu gehen. Ohne einen Konflikt vermeiden zu suchen, denn den provozierst du auf längere Sicht, wenn du nicht ehrlich bist und dich bis zur Unkenntlichkeit verbiegst.

Es ist einfach und schlicht. Es braucht keine Erklärungen und Rechtfertigungen; deine Wahrheit ist deine Wahrheit, und was der andere damit anfängt, ist sein Bier. Stelle sie klar in die Welt, schaue, was passiert und lebe kreativ mit den Konsequenzen. Mehr gibt es nicht zu tun.

  • Wo lässt du dich noch auf unsinnige Diskussionen und Rechtfertigungen ein?
  • Wo hältst du dich unnötig zurück?
  • Wo führt das eher zu Problemen, denn zur Verständigung?
  • Wo masst du dir an, jemanden zu schonen und damit nicht für voll zu nehmen?
  • Wo bräuchte es jetzt von dir eine klare Ansage?
  • Welche Konsequenzen fürchtest du und wie wahrscheinlich sind sie überhaupt?