Kein Leben ohne Verletzung -Klaus Rentel

Kein Leben ohne Verletzung

Selbst wenn wir noch so achtsam und zurückhaltend sind, wir können es nicht vermeiden, andere zu verletzen. Alleine schon deshalb, weil andere unsere Botschaften entsprechend ihrem Selbstbild oder ihren Filtern immer anders verstehen als wir es gesagt bzw. gemeint haben. Eine inhaltlich völlig identische Aussage kann den einen erfreuen und den anderen ärgern.

Verletzung entsteht oft auch dadurch, dass jemand eine Botschaft missinterpretiert, und diese Missinterpretation hat viel mit dem Bild zu tun, dass sich der Empfänger von sich selbst, von der Welt oder von dir gemacht hat.

Es kann also nicht der Sinn sein, sich über Gebühr zurückzunehmen, um jemanden in Watte zu packen. Wer andere schont, nimmt sie nicht für voll; er masst sich an, zu wissen, was sie vertragen können und was nicht. Ausserdem entzieht er sich damit dem aufrichtigen Kontakt mit ihnen.

Du bist nicht hier, um dich auszubremsen, sondern auf deine Art deine Wahrheit auszudrücken. Sonst verletzt du dich selbst. Dich den anderen zuzumuten, wie du bist, ist Liebe.

Wenn diese Wahrheit trotz kommunikativer Sorgfalt jemanden verletzt, dann kann das durchaus akzeptabel sein. Du kannst davon ausgehen, dass sich diese Verletzung mit einem «Pflaster» aus Zeit oder einer einfühlsamen Klärung des gemeinsamen Themas heilen lässt.

Ansonsten fühlt sich mancher alleine schon deshalb verletzt, wenn du sein Sichtfeld betrittst :-) Und nicht selten wird «Verletzung» als Kampfbegriff missbraucht, um andere zu beschämen oder sich als vermeintliches «Hypersensibelchen» unangreifbar zu machen.

  • Wo nimmst du dich zurück, um jemanden zu schonen?
  • Wie leicht lässt du dich vom Vorwurf einer Verletzung oder in Erwartung einer heftigen Abwehrreaktion davon abhalten, deine Ansichten kundzutun?
  • Wo beugst du dich der Meinungsmehrheit oder machst vorschnell Kompromisse?
  • Gegen wen oder was bist du besonders «verletzungsanfällig»? Was könnte dein Eigenanteil daran sein?
  • Was würde es jeweils ändern, wenn du dein (inneres) Schwert griffbereit hättest, um es in Liebe und mit Konsequenz zu führen?